Dein Fluch im Schatten
Diese Stadt war nicht nur Stein und Stahl. Sie war aus Gefühl. Ein unsichtbares, schweres Gewebe aus tausend alltäglichen Tragödien und stillen […] Mehr lesen
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Diese Stadt war nicht nur Stein und Stahl. Sie war aus Gefühl. Ein unsichtbares, schweres Gewebe aus tausend alltäglichen Tragödien und stillen […] Mehr lesen
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Die ersten Tage an der Akademie vergingen wie im Flug, gefüllt mit dem Studium klassischer Techniken und der Theorie der visuellen Künste. Doch es war in den stillen Stunden der Nacht, wenn die Flure der Schule nur vom flackernden Licht alter Kerzen erhellt wurden, dass mein wahres Abenteuer begann. Getrieben von einer unerklärlichen Neugier und dem Gefühl, dass die Schule mehr verbarg, als sie preisgab, begann ich, die verlassenen Teile des Gebäudes zu erkunden. Eines Nachts, als ein Sturm die Fensterläden zum Klappern brachte und die Welt außerhalb in Dunkelheit hüllte, fand ich hinter einer locker sitzenden Steinplatte im Keller der Schule eine verborgene Tür. Mit zitternden Händen und dem Licht einer einzigen Kerze schob ich die Tür auf und entdeckte einen engen Gang, der tief unter die Schule führte. Am Ende dieses Ganges befand sich eine kleine Kammer, deren Wände mit Regalen voller alter, verstaubter Bücher bedeckt waren. Das flackernde Kerzenlicht enthüllte Titel, die von okkulten Praktiken, alten Zeremonien und der Kunst, Realität durch Zeichnungen zu beeinflussen, sprachen. Mein Herz schlug schneller, als ich erkannte, dass diese Bücher Wissen enthielten, das weit über die Grenzen dessen hinausging, was in den offiziellen Lehrplänen gelehrt wurde. Tief in einem dieser Bücher, eingebettet zwischen vergilbten Seiten, die das Gefühl hatten, als würden sie bei der leisesten Berührung zerfallen, fand ich eine Anleitung, die beschrieb, wie man durch zeichnende Künste Tore zu anderen Dimensionen öffnen könnte. Es war eine faszinierende, doch zugleich erschreckende Entdeckung. Die Zeichnungen auf den Seiten schienen sich zu bewegen, wenn man sie aus dem Augenwinkel betrachtete, und ich spürte, wie sich eine kalte Gänsehaut über meinen Rücken zog. In den folgenden Tagen konnte ich den Gedanken nicht abschütteln, was ich gefunden hatte. Die Neugier hatte mich fest im Griff, und trotz der warnenden Worte des Direktors bei meiner Ankunft begann ich, mit den Techniken zu experimentieren, die in den Büchern beschrieben wurden. Es war ein Spiel mit dem Feuer, ein Tanz am Rande des Abgrunds, der die Grenzen zwischen Realität und Wahnsinn verschwimmen ließ. Doch ich sollte bald erfahren, dass einige Türen, einmal geöffnet, nie wieder geschlossen werden können. Die Zeichnungen, die ich in jenen Nächten schuf, waren nicht länger bloße Abbilder meiner Vorstellung – sie wurden zu Fenstern in eine Welt, die kein Mensch je erblicken sollte.
In den Tagen nach meinen ersten zaghaften Versuchen, die in den alten Büchern beschriebenen Techniken anzuwenden, begannen sich die Grenzen meiner Wahrnehmung zu verschieben. Die Schule, die mir einst als fester, unveränderlicher Ort erschienen war, schien nun einem ständigen Wandel unterworfen zu sein. Flure dehnten sich unerklärlich, Türen führten plötzlich an Orte, die ich nie zuvor gesehen hatte, und Schatten bewegten sich in den Ecken meiner Augen, verschwanden jedoch, sobald ich versuchte, sie direkt anzublicken. Eines Abends, als ich in meinem Zimmer saß und versuchte, eine Landschaft zu zeichnen, die ich in einem Traum gesehen hatte, bemerkte ich zum ersten Mal, dass die Zeichnung sich zu verändern begann, sobald ich den Stift niederlegte. Die Bäume, die ich mit sorgfältigen Strichen skizziert hatte, begannen sich zu winden und zu krümmen, als würden sie von einem unsichtbaren Wind gepeitscht. Die Schatten unter ihren Ästen verdichteten sich, und für einen flüchtigen Moment glaubte ich, Augen in der Dunkelheit aufblitzen zu sehen. In den folgenden Nächten wurde es schlimmer. Meine Zeichnungen nahmen zunehmend verstörende Formen an, selbst wenn ich versuchte, harmlose Szenen zu papier zu bringen. Gesichter erschienen auf dem Blatt, verzerrt von Schmerz und Angst, und Landschaften verwandelten sich in albtraumhafte Abgründe, die zu mir zu flüstern schienen. Ich begann, Stimmen zu hören, leise Wispern, die aus den Wänden meines Zimmers zu kommen schienen, und mein Schlaf wurde von Träumen heimgesucht, in denen ich durch endlose, verdrehte Gänge der Schule lief, verfolgt von etwas, das ich nie zu Gesicht bekam. Mein Geist war gefangen in einem Zustand zwischen Wachsein und Traum, in dem die Schrecken, die ich gezeichnet hatte, sich mit der Realität vermischten. Die anderen Schüler und Lehrer begannen, Veränderungen an mir zu bemerken. Mein einst lebhaftes Interesse an den Kursen verwandelte sich in eine obsessive Besessenheit mit meinen Zeichnungen. Ich mied den Kontakt zu meinen Mitmenschen, getrieben von der Furcht, dass sie die Dunkelheit, die ich entfesselt hatte, erkennen könnten. Doch so sehr ich auch versuchte, mich von den Büchern und den Zeichnungen fernzuhalten, die Anziehungskraft des Verbotenen, des Unbekannten, war zu stark. Es war, als hätte ich eine Tür in meinem Geist geöffnet, die sich nicht mehr schließen ließ, und durch diese Tür strömten nun die Schatten, die ich heraufbeschworen hatte, in die Welt. Was ich zunächst für künstlerische Inspiration gehalten hatte, entpuppte sich als etwas weit Gefährlicheres: Ein Einblick in eine Welt jenseits unserer eigenen, eine Welt, in der die Gesetze der Natur keine Geltung hatten und die Grenzen zwischen Leben und Tod, Realität und Wahnsinn, verschwammen.
Nach Wochen des inneren Kampfes, geplagt von Schrecken sowohl im Schlaf als auch im Wachzustand, entschied ich mich, der Quelle meiner Qualen gegenüberzutreten. Ich verstand, dass ich keine Ruhe finden würde, solange ich nicht das Wesen konfrontierte, das durch meine Handlungen in diese Welt gezogen worden war. Ausgestattet mit einer Lampe und den zerfledderten Seiten der okkulten Bücher, die ich in jener verborgenen Kammer gefunden hatte, machte ich mich in der tiefsten Nacht auf den Weg zum Keller der Schule. Die Luft wurde kälter, je tiefer ich in das Gewölbe hinabstieg, und meine Lampe warf zitternde Schatten auf die alten Steine. Als ich die Kammer erreichte, in der ich zum ersten Mal auf das verbotene Wissen gestoßen war, spürte ich eine drückende Präsenz, als würde mich etwas aus der Dunkelheit beobachten. Mit zittriger Stimme begann ich, aus den Büchern zu rezitieren, nicht um weitere Schrecken heraufzubeschwören, sondern in der Hoffnung, einen Pakt zu schließen oder das Wesen zu verbannen. Die Worte schienen in der stickigen Luft des Kellers zu hängen, und ich spürte, wie sich etwas in der Dunkelheit regte. Plötzlich erfüllte ein tiefes, grollendes Lachen den Raum, und aus den Schatten trat eine Gestalt hervor, die keine feste Form zu haben schien. Sie pulsierte und veränderte sich ständig, ein Konglomerat aus den Alpträumen, die ich zu Papier gebracht hatte. Ihre "Augen", wenn man sie so nennen konnte, fixierten mich mit einem Blick, der älter schien als die Zeit selbst. "Warum rufst du mich, Sterblicher?" Die Stimme der Entität war ein Echo aus der Tiefe, eine Klangwelle, die meinen Geist zu zersplittern drohte. "Glaubst du, du kannst mich kontrollieren? Ich bin durch deine Handlungen in diese Welt gekommen, doch ich bin nicht dein Diener. Ich bin der Spiegel deiner tiefsten Ängste, der Wächter der Schwelle zwischen den Welten." In diesem Moment erkannte ich die wahre Natur meiner Fehler. Ich hatte geglaubt, die Grenzen der Realität erweitern zu können, doch stattdessen hatte ich eine Bresche in die Mauern geschlagen, die unsere Welt von jenen schützten, die jenseits warteten. Meine Zeichnungen, die Experimente mit den okkulten Büchern, hatten nicht nur Türen in meinem Geist geöffnet, sondern auch Wege für diese Entität, in unsere Existenz zu treten. Die Entität bewegte sich auf mich zu, und ich spürte, wie die Luft um mich herum dichter wurde, schwer von einem unbeschreiblichen Gefühl der Verzweiflung. In einem letzten Akt der Verzweiflung warf ich die Seiten der Bücher in eine kleine, zuvor vorbereitete Flamme in der Mitte des Raumes. Die Flammen leuchteten hell auf, und ein Schrei, der nicht von dieser Welt zu sein schien, erfüllte den Raum, als die Gestalt zurückwich. Ich weiß nicht, wie lange ich in der Dunkelheit lag, bevor ich die Kraft fand, mich zu erheben. Als ich es schließlich tat, war die Entität verschwunden, doch die Schatten in der Schule schienen tiefer, die Flure länger. Ich hatte vielleicht einen Kampf gewonnen, aber der Krieg gegen die Dunkelheit in mir und um mich herum war noch lange nicht vorbei.
Monate sind seit jener Nacht vergangen, in der ich der Entität in den Kellern der Akademie gegenüberstand. Die Welt um mich herum hat sich weitergedreht, doch für mich ist nichts mehr wie zuvor. Die Schule für zeichnende Künste habe ich verlassen, getrieben von der Erkenntnis, dass gewisse Pfade der Erkenntnis besser unbeschritten bleiben. Die Erinnerungen an das, was geschehen ist, begleiten mich jeden Tag. Ich sehe die Welt nun mit anderen Augen – vorsichtiger, skeptischer. Die Leichtigkeit meiner Jugend ist einer tiefen Vorsicht gewichen, einem Bewusstsein für die Dünnheit des Schleiers, der unsere Realität von dem trennt, was jenseits liegt. Die Akademie steht noch immer, ein stilles Monument alter Schrecken, doch ich höre, dass sie keine neuen Schüler mehr aufnimmt. Gerüchte flüstern von unerklärlichen Vorfällen, von Schatten, die sich in den Ecken drängen, und von Stimmen, die in der Stille der Nacht flüstern. Ich frage mich, ob meine Handlungen die Schule für immer gezeichnet haben, ob die Tore, die ich geöffnet habe, jemals wirklich geschlossen wurden. Ich widme mich nun dem Studium der Kunst in einer Weise, die Respekt vor ihren Grenzen zeigt. Die Zeichnungen, die ich anfertige, tragen eine neue Tiefe, eine Ehrfurcht vor dem Geheimnisvollen. Doch ich meide die dunklen Pfade, die ich einst beschritten habe. Meine Experimente mit dem Okkulten habe ich hinter mir gelassen, ein Kapitel meines Lebens, das ich zu verschließen versuche. Doch trotz aller Vorsicht, die ich walten lasse, gibt es Nächte, in denen der Schlaf mich meidet. In diesen Stunden, wenn die Welt um mich herum in Dunkelheit gehüllt ist, fühle ich die Blicke, die aus den Schatten auf mich gerichtet sind. Es ist, als ob die Entität, die ich zurückgedrängt habe, mich noch immer beobachtet, wartend, lauernd am Rande meiner Wahrnehmung. Vielleicht ist es die Strafe für diejenigen, die zu tief in die Geheimnisse des Universums blicken – ein Leben, gezeichnet von der Erkenntnis, dass es Dinge gibt, die jenseits unseres Verständnisses liegen. Doch in dieser Erkenntnis liegt auch eine seltsame Art von Frieden, das Wissen, dass die Welt weit komplexer ist, als wir es uns je vorstellen könnten. So lebe ich mein Leben, gezeichnet von den Ereignissen in der Akademie, doch auch bereichert durch die Lehren, die ich daraus gezogen habe. Ich habe gelernt, dass Kunst nicht nur eine Form der Schönheit ist, sondern auch ein Tor zu den unergründlichen Tiefen der menschlichen Seele – und darüber hinaus.
Mit den besten Wünschen aus der Tiefe der Nacht und den verborgenen Winkeln der Seele,
Ihr Navigator durch die Labyrinthe des Unerklärlichen und Chronist der unsichtbaren Welten.
Der geneigte Leser möge mir verzeihen, dass nicht alle Orte, Namen oder Entwicklungen exakt benannt werden. Manche Institutionen sind längst vergessen, ihre Spuren verblasst. Andere wurden im Laufe der Zeit umbenannt, verlegt oder aus dem kollektiven Gedächtnis gestrichen. Und einige von ihnen existierten vielleicht nie, zumindest nicht in dieser Welt.
Quellenangaben:
Inspiriert von den Schatten der Erinnerung, dem Echo alter Zeichnungen und der Einsicht, dass manche Türen besser verschlossen bleiben, selbst wenn man den Schlüssel längst in der Hand hält.
– Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen
– Meyers Konversations-Lexikon, 3. Auflage 1874–1884
– Wikipedia – Die freie Enzyklopädie
– Gespräche mit ehemaligen Kunststudierenden
- Archivmaterial aus vergessenen Skizzenbüchern und Beobachtungen in Bibliotheken, wo der Staub schwerer wiegt als jedes geschriebene Wort
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Diese Stadt war nicht nur Stein und Stahl. Sie war aus Gefühl. Ein unsichtbares, schweres Gewebe aus tausend alltäglichen Tragödien und stillen Verzweiflungen. Lina hatte das nie gespürt, bis sie das Collier ihrer verstorbenen Großmutter anzog. Sieben gläserne Tränen, kalt auf ihrer Haut. Plötzlich schmeckte der Kaffee nach der verlorenen Existenz des Fremden am Nebentisch. Die Backsteinmauer gegenüber stöhnte ein zweihundert Jahre altes Stöhnen in ihre Knochen. Sie war keine Bewohnerin der Stadt mehr. Sie war ihre offene Wunde, eine lebende Antenne für einen Schmerz, der nicht ihr gehörte. Die gläsernen Tränen erwärmten sich, pulsieren im Takt der fremden Qual. War es ein Fluch oder ein schreckliches Erwachen? Die U-Bahn zur Stoßzeit wurde zur Hölle. Ein Tsunami aus gebrochenen Herzen, existentieller Angst und einsamer Wut brach über sie herein. Die Tränen brannten wie Brandmale. Sie floh. Sie versuchte sich zu panzern, mit dicker Kleidung und eigener Wut. Doch der Kummer drang nicht durch Stoff. Er drang durch sie hindurch. In ihrer Verzweiflung entdeckte sie eine seltsame Führung. Eine regengefüllte Pfütze auf dem Asphalt zeigte ihr nicht ihr Spiegelbild, sondern Fragmente eines fremden, uralten Leids. Sie zeigte eine Richtung. Die Tränen summten nun, ein leiser, dringender Kompass. Sie folgte diesem Summen in ein heruntergekommenes Mietshaus, eine Treppe hinauf zu einer Tür, hinter der ein Kind leise weinte. Ohne ein Wort zu sprechen, öffnete sie sich dem Schmerz hinter der Tür. Sie ließ ihn durch sich hindurchströmen, eine bittere, erstickende Flut. Langsam, träge, sickerte diese fremde Last in die gläsernen Tränen. Die Wolken in ihrem Inneren verdunkelten sich. Im Zimmer hinter ihr verstummte das Weinen. Sie hatte nicht geholfen. Sie hatte gesammelt. Dieser Akt führte sie tief unter die Stadt, in ein vergessenes Tunnelsystem, wo blasse Flechten Licht spendeten. Ein alter Mann erwartete sie. Er erklärte nichts. Er zeigte ihr das Mahlwerk. Hier wurde der gesammelte Kummer der Stadt zu einem silbrigen Öl gemahlen, dem Fundament zugeführt. Die Freude wäre zu leicht, sagte er. Sie hielten alles zusammen. Das Collier war kein Fluch. Es war das Amt einer Sammlerin. Eine Wahl stand bevor. Sie konnte die leeren, leichten Tränen nehmen und taub werden für die Welt. Oder sie konnte sie mit dem ausgeglichenen, perlmutternen Öl der verarbeiteten Last füllen. Sie wählte das Gewicht. Die Stadt rauschte nun als gedämpftes Hintergrundrauschen an ihr ab. Sie konnte wählen, wann sie eine Hand ausstreckte. Doch in den stillsten Nächten nimmt sie das Collier ab. Sie legt es auf die Fensterbank und taucht eine Fingerspitze in den puren, ungefilterten Fluss der Millionenstadt. Für einen Moment. Dann nimmt sie das Gewicht wieder auf. Es ist ihr Amt. Es ist ihr Versuch. Und irgendwo da draußen, in der vibrierenden Dunkelheit, wartet eine Frage. Was geschieht, wenn ein Tongefäß zerbricht und sein Inhalt zurück in die Straßen fließt? […] Mehr lesen >>>
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